Jeanne D’Arc (im Deutschen auch Johanna von Orléans), fast 500 Jahre nach ihrem Tod von der katholischen Kirche heiliggesprochen, ist den meisten bekannt aus Literatur und Film, als französische Staatsheilige, Herold der nationalen Idee, Freiheitskämpferin. Am 30. Mai 1431 wurde sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Doch wie war es dazu gekommen?

Stimmen und Visionen
Geboren um 1412 in die Zeit des Hundertjährigen Krieges (1337-1453) hinein, aufgewachsen in dörflichem Umfeld, hörte sie ab dem Alter von ca. 13 Jahren ihrer eigenen Aussage zufolge die Stimmen dreier Heiliger und hatte Visionen. Darin wurde sie aufgefordert, dem französischen Thronfolger Karl im Krieg gegen die Engländer, die ebenfalls Anspruch auf den Thron erhoben, beizustehen.
Jeanne D’Arc – gottgesandte Kämpferin für Orléans
So verließ sie 1428 heimlich ihr Elternhaus und erschien Anfang 1429 vor dem Stadtkommandanten der Festung Vaucouleurs. Sie konnte ihn nach bestandener Glaubensprüfung von ihrer Gottgesandtheit überzeugen und er schickte sie mit Eskorte zu Karl nach Chinon. Der befahl zunächst die geistliche Prüfung ihrer Glaubwürdigkeit und den Nachweis ihrer Jungfräulichkeit, bevor sie schließlich Rüstung und Auftrag erhielt. Erfolgreich brachte sie dann mit einer kleinen Truppe einen Proviantzug in die belagerte Stadt Orléans.
Hierdurch ermutigt wagten die Truppen der Stadt am 7. Mai die Konfrontation mit den englischen Belagerern. Dabei hatte Jeanne zwar nicht (wie häufig angenommen) den Oberbefehl. Sie kämpfte aber in der Reiterschar in vorderster Linie und spornte die Heerführer an, obwohl sie im Laufe der Schlacht durch einen feindlichen Pfeil verletzt wurde. Die englischen Belagerer zogen am 8. Mai, der in Orléans seitdem als Tag der Befreiung gefeiert wird, besiegt ab. Jeanne wurde aufgrund dieses Erfolgs berühmt.
Sinkender Einfluss
In der Folgezeit vertrieben die französischen Truppen die englischen durch weitere Siege, erneut unter Jeannes Beteiligung, aus verschiedenen weiteren Stellungen an der Loire. Und schließlich wurde der Thronfolger Karl am 17. Juli in Reims in Jeannes Beisein als Karl VII. zum König gekrönt. Ab diesem Zeitpunkt begann ihr Einfluss jedoch zu schrumpfen. Zuletzt kehrte Karl ihr gänzlich den Rücken, nachdem der von ihr forcierte Versuch der Befreiung von Paris im September fehlgeschlagen war.
Jeanne D’Arc – veurteilte Ketzerin
Am 23. Mai 1430 wurde Jeanne gefangengenommen und an die Engländer ausgeliefert, die sie als Feindin ihres Landes vernichten wollten. Man warf ihr Ketzerei vor. So kam es 1431 (21. Februar bis 30. Mai) zum kirchlichen Inquisitionsprozess gegen sie in Rouen. Trotz des Fehlens eines rechtlichen Beistands zeigte Jeanne sich darin selbstbewusst und von der eigenen Unschuld überzeugt, wie aus den erhaltenen Prozessakten hervorgeht. Die mit ihrer Begutachtung beauftragten Doktoren der Theologie plädierten für einen Schuldspruch und drängten sie, sich der Kirche zu unterwerfen. Ihr Ersuchen, die Anklage dem Papst vorzulegen, wurde abgelehnt. Aus Angst vor dem bei Verurteilung drohenden Feuertod widerrief Jeanne ihre Aussagen von der eigenen Gottgesandtheit zunächst, nahm diesen Widerruf letztlich jedoch zurück. Sie wurde deshalb als rückfällige Ketzerin zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Das Urteil wurde am 30. Mai auf der Place du Vieux Marché in Rouen vollstreckt.
Jeanne D’Arc – rehabilitiert, verehrungswürdig, selig, heilig
Bereits in den Jahren nach 1450 gab es Ermittlungen wegen Fehlern und Regelwidrigkeiten im gegen Jeanne geführten Prozess. Schließlich wurde nach päpstlicher Erlaubnis der Inquisitionsprozess wiederaufgenommen. Ziel war, zu beweisen, dass die Verurteilte keine Ketzerin, sondern vorbildliche Christin gewesen war. In der Folge kam es zur Aufhebung des Urteils am 7. Juli 1456. Jeanne war somit rehabilitiert. Verehrungswürdig-, selig- und zuletzt heiliggesprochen wurde sie zwischen 1894 und 1920.
Fazit: Jeanne D’Arcs Bedeutung
Über die Gottgesandtheit der Heldin von Orléans mag man streiten. Auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Moral von Jeannes politischen Zielen soll hier nicht Thema sein. Ebenso wenig möchte ich an dieser Stelle grundsätzlich darauf eingehen, was ich von Kriegen, Schlachten und Gewalt im Allgemeinen halte (wenn ich weiter unten von kriegerischen Aktivitäten als ‚Männern vorbehalten‘ spreche, meine ich damit nicht, dass ich diese Aktivitäten gutheiße).
Was aber an Jeanne D’Arc aus meiner Sicht bemerkenswert ist, ist die Selbstständigkeit, mit der sie als Frau ihrer Epoche für ihre Überzeugung eingetreten ist. Sie hat in einer Zeit, in der Frauen in der Öffentlichkeit noch überwiegend zum Schweigen verurteilt waren, mit erstaunlicher Souveränität darauf bestanden, gehört zu werden. Mehr noch, sie hat vehement durchgesetzt, in einem sonst ausschließlich Männern vorbehaltenen Bereich offen aktiv werden zu dürfen. Diese Aspekte sind es, die für heutige Frauen eine Auseinandersetzung mit Jeanne D’Arc lohnend machen.
Quellen & Weiterführendes
- Krumeich, Gerd : Jeanne d’Arc. Die Geschichte der Jungfrau von Orleans. München 2006.
- Internationales Jeanne-D’Arc-Center
- Wikipedia-Artikel über Jeanne D’Arc
- Protokoll des Prozesses von 1431
- Protokoll des Rehabilitationsprozesses
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